Woran erkennt man Qualitätsunterschiede beim iSFP?
Von Georg Vonhasselt

Woran erkennt man Qualitätsunterschiede beim iSFP?
Jeder individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) sieht vermeintlich gleich aus: Gleiches Deckblatt, gleiche DENA-Listung des Energie-Effizienz-Experten, gleicher Aufbau. Am iSFP hängen die Fördermöglichkeiten: Ob Sie den maximalen Fördersatz erhalten, hängt davon ab, ob eine Maßnahme im iSFP beschrieben ist. Ein iSFP, der sinnvolle Maßnahmen auslässt, kostet Sie nicht nur Behaglichkeit und Wohnkomfort, sondern auch Ansprüche auf Förderung.
Das Dokument, das Sie in der Hand halten, kann somit über den Erfolg Ihrer Sanierung entscheiden. Aber es gibt noch einen weiteren Grund, sorgfältig vorzugehen: An den iSFP sind Sie 15 Jahre gebunden. Korrekturen und Nachbesserungen sind zwar möglich, können aber nur durch denselben Energie-Effizienz-Experten durchgeführt werden. Ein schlechter iSFP lässt sich nicht einfach neu bestellen.
Als Eigenheimbesitzer haben Sie in der Regel keine zweite Fachperson zur Hand, die die Arbeit beurteilt, und es ist auch nicht üblich, ein "Gegengutachten" einzuholen. Die Wahl des richtigen Energie-Effizienz-Experten ist die erste und folgenreichste Entscheidung im Sanierungsprojekt.
Was die DENA-Listung tatsächlich aussagt und wie Sie dennoch gute Berater finden
Die Energie-Effizienz-Experten-Liste dokumentiert, dass ein Berater formale Qualifikationsvoraussetzungen erfüllt. Die DENA ist nicht in der Lage oder verpflichtet, zu prüfen, ob diese Person in Ihrem Sinne gute Arbeit leistet. Das kann für Sie bedeuten: Ein iSFP kann alle formalen Anforderungen erfüllen und für Ihre konkreten Sanierungsvorhaben trotzdem wenig Wert haben.
Wie erkennen Sie nun relevante Unterschiede bei Energie-Effizienz-Experten, bevor Sie beauftragen? Stellen Sie diese fünf Fragen.
Frage 1: Wie viel Zeit nehmen Sie sich vor Ort und was schauen Sie sich konkret an?
Eine gute Gebäudeenergieberatung beginnt mit einem gründlichen Ortstermin.
Selbst wenn nachvollziehbare Planunterlagen vorliegen, fehlen oftmals wichtige Details und Aktualisierungen. Bauliche Veränderungen sind womöglich nicht enthalten. Ein guter Berater sucht aktiv nach Abweichungen und Schwachstellen: Schäden, Risse, Durchfeuchtungen, Wärmebrücken, unklare Anschlüsse. Diese Details sind für die Planung der Sanierung und für eine seriöse Kostenschätzung entscheidend.
Fragen Sie: Wie gehen Sie vor, wenn Pläne fehlen oder die Bestandssituation von den Unterlagen abweicht?
Frage 2: Wie leiten Sie die Kostenschätzungen in Ihrem Konzept her?
Viele Sanierungskonzepte arbeiten mit Kostenindices aus bundesweiten Datenbanken. Oftmals ist diese Datenbasis aber veraltet und berücksichtigt nicht die Marktsituation am Standort Ihres Gebäudes: Handwerkerpreise z.B. im Raum München liegen spürbar über dem Bundesdurchschnitt, wie in anderen Großstädten auch.
Die Konsequenz: Die Schätzung ist durchweg zu niedrig. Sie sprechen mit Ihrer Bank über die Höhe einer Finanzierung. Und dann kommt die Überraschung mit den ersten konkreten Angeboten von Handwerksbetrieben.
Ein guter iSFP enthält seriöse Kostenschätzungen, die die Gegebenheiten in Ihrer Region berücksichtigen. Abweichungen sind hier trotzdem wahrscheinlich, aber Sie werden nicht kalt erwischt, wenn die ersten Handwerkerangebote kommen. Eine solide Kostenschätzung bietet Ihnen Orientierungswerte, anhand derer Sie konkrete Angebote vergleichen können.
Fragen Sie: Mit welchen konkreten Handwerkerpreisen rechnen Sie für ein Gebäude in meiner Region?
Frage 3: Wie entwickeln Sie eine sinnvolle Reihenfolge der Sanierungsmaßnahmen?
iSFP steht für "individueller Sanierungsfahrplan". Dabei geht es um mehr als ein personalisiertes Deckblatt.
Eine sinnvolle Reihenfolge von Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt die Bausubstanz Ihres Hauses. Sie verhindert, dass durch eine frühe Maßnahme eine spätere teurer wird oder vermeidbare Schäden entstehen — zum Beispiel durch Feuchtigkeit, wenn die Gebäudehülle saniert wird, ohne die Belüftung mitzudenken. Darüber hinaus berücksichtigt sie Ihre Ziele: maximale Energieeinsparung, niedrigere Kosten oder mehr Wohnkomfort.
Ein Berater, der ohne gründliche Vor-Ort-Analyse dieselbe Sequenz präsentiert, ohne diese gebäudespezifisch zu begründen, wird vermutlich nicht das Beste für Ihre Immobilie herausholen.
Fragen Sie: Warum empfehlen Sie diese Sanierungsschritte in dieser Reihenfolge?
Frage 4: Was soll die Sanierung für uns leisten?
Eine sinnvolle Sanierung ist kein technisches Optimierungsproblem. Sie ist eine Abwägung zwischen Energieeinsparung, Komfort, Kosten. Letztlich geht es darum, was für Ihren Haushalt realistisch umsetzbar ist.
Manche Eigentümer wollen maximale CO₂-Reduktion. Andere wollen vor allem die Heizkostenrechnung senken. Die meisten legen Wert auf mehr Behaglichkeit: warme Wände, weniger Zugluft. Diese Ziele führen zu unterschiedlichen Maßnahmenpaketen und zu unterschiedlichen Investitionsprioritäten.
Ein guter iSFP zeigt diesen Zielkonflikt auf und gibt Ihnen eine solide Entscheidungsgrundlage. Das heißt: Sie bekommen keine Einheitslösung, sondern eine, die zu Ihrer Situation passt.
Fragen Sie: Wie berücksichtigen Sie meine persönlichen Prioritäten und mein verfügbares Budget?
Frage 5: Was passiert nach dem iSFP?
Der iSFP ist kein Ende, sondern ein Startpunkt für das Umsetzungsprojekt.
Das Dokument zeigt, welche Maßnahmen sinnvoll sind, in welcher Reihenfolge und in welcher Größenordnung. Was es nicht kann: Ausschreibungen begleiten, Förderanträge koordinieren oder Baustellen abnehmen.
Viele Berater liefern den iSFP und teilen Ihnen anschließend mit, dass Sie ab hier auf sich allein gestellt sind. Ab diesem Zeitpunkt wird es aber erst richtig spannend. Damit einher geht erheblicher Aufwand, den viele Eigentümer unterschätzen: Förderanträge bei der KfW und beim BAFA müssen gestellt werden. Angebote müssen eingeholt und verglichen werden.
Wenn die Umsetzung beginnt und über mehrere Gewerke läuft, entsteht die eigentliche Koordinierungsaufgabe: Maßnahmen, die aufeinander aufbauen, führen ohne übergeordnete Steuerung oftmals zu Chaos und zu vermeidbaren Mehrkosten.
Fragen Sie: Begleiten Sie mich über den iSFP hinaus und wenn ja, wie?
Was einen guten iSFP ausmacht
Einen individuellen Sanierungsfahrplan, der als Planungswerkzeug funktioniert, erkennt man an vier Merkmalen:
- Gründlich dokumentierter Ist-Zustand. Eine genaue Abbildung Ihrer Immobilie inklusive möglicher Schwachstellen und Schäden.
- Begründete Maßnahmenreihenfolge. Sanierungsmaßnahmen, die aufeinander aufbauen und Mehrkosten vermeiden.
- Realistische Kostenschätzungen. Eine seriöse Einschätzung, die das lokale Marktumfeld Ihrer Immobilie berücksichtigt.
- Vollständige Darstellung der Fördermöglichkeiten. Was Sie beantragen können, bei welcher Stelle, in welcher Reihenfolge — und welche Maßnahmen im Fahrplan stehen müssen, damit der Förderanspruch nicht verloren geht.
Die Umsetzbarkeit immer im Blick
Bei EFFERO erstellen wir sinnvolle Sanierungskonzepte und begleiten Sie bei der kosteneffizienten Umsetzung.
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