"Läuft noch" ist kein (guter) Plan: Was ein Heizungstausch im Notfall kostet
Von Georg Vonhasselt

Wenn die Heizung im Januar ausfällt, sind bis zu 21.000 Euro KfW-Förderung weg. Förderanträge müssen vor Beginn einer Maßnahme gestellt werden. In 48 Stunden ist das strukturell nicht möglich. Länger hält es aber niemand ohne Heizung aus.
Mehr als fünf Millionen Heizungsanlagen in Deutschland sind älter als 30 Jahre, hält der dena Gebäudereport 2026 fest. Wie lange laufen diese noch?
Was macht den spontanen Ausfall der Heizung teuer?
Ein Heizungsausfall im Winter erzwingt Entscheidungen innerhalb kürzester Zeit, für die man sich sonst einige Wochen nimmt: welcher Handwerksbetrieb, welche Technologie, welche konkrete Anlage?
Keine Förderung
Die KfW fördert den Heizungstausch im BEG-Programm mit bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten. Der förderfähige Rahmen liegt bei bis zu 30.000 Euro je Wohneinheit. In der Kürze der Zeit ist diese Förderung nicht zu bekommen.
Keine Verhandlungsposition
Wer unter Zeitdruck einen Heizungsinstallateur anruft, kann nur wenig verhandeln. Der Handwerker weiß das. Es gibt kein zweites Angebot, keine Frist bis übermorgen, keinen Spielraum. Wie hoch dieser Nachteil im Einzelfall ausfällt, lässt sich nicht pauschal beziffern. Dennoch: Wer kaufen muss, bezahlt mehr als wer kaufen will.
Die "falsche" Anlage fürs Haus
Ein Heizungstausch im Rahmen eines Sanierungskonzeptes beginnt mit der Frage, was zum Gebäude passt: Wärmepumpe, neue Gasheizung oder Fernwärme. Die Antwort hängt von (zukünftigem) Dämmzustand, Heizkörpersystem, Grundstück und langfristiger Kostenentwicklung ab. Im Notfall entfällt diese Abwägung vollständig. Es wird eingebaut, was verfügbar ist und schnell geht.
Eine Anlage, die mindestens zwanzig Jahre für Wärme sorgen soll, sollte auf Basis einer fundierten Entscheidung gewählt werden, besser nicht auf Basis der Verfügbarkeit im Großhandel am 17. Januar.
Ein Vergleich in Zahlen
Ein Einfamilienhaus in München, Baujahr 1985. Gasheizung, Baujahr 2001. Sie läuft noch.
Szenario 1: Geplanter Heizungstausch
Wärmepumpe, Investitionskosten ca. 25.000 Euro. KfW-Förderung: Basisbonus 30 Prozent plus Klimageschwindigkeitsbonus 20 Prozent ergibt 50 Prozent, also 12.500 Euro Zuschuss. Eigenanteil: ca. 12.500 Euro. Anlage auf Basis des individuellen Sanierungsfahrplans für das Gebäude gewählt.
Szenario 2: Notfalltausch nach Ausfall im Januar
Neue Gasheizung, lieferbar und einbaufertig binnen 48 Stunden. Investitionskosten ca. 10.000 bis 12.000 Euro. Keine Förderung. Eigenanteil: 100%.
Auf den ersten Blick scheint Szenario 2 sogar günstiger zu sein. Das täuscht: Die neue Gasheizung verlängert die Abhängigkeit vom Gaspreis auf vermeintlich weitere zwanzig Jahre.
Hinzu kommt: Eine neue Gasheizung, die heute eingebaut wird, wird voraussichtlich nicht ihre volle technische Lebensdauer überdauern. Regulatorischer Druck und steigende Gaskosten werden einen zweiten Tausch vorher erzwingen.
Was der individuelle Sanierungsfahrplan damit zu tun hat
Der individuelle Sanierungsfahrplan ist die Grundlage, die einen Heizungstausch in eine Gesamtstrategie einbettet. Er evaluiert, welche Technologien wirklich zum Gebäude passen, in welcher Reihenfolge weitere Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll sind, und ist eine Voraussetzung, um die maximalen Fördermittel abrufen zu können.
Seine Erstellung braucht etwas Zeit. Begehung vor Ort mit einer fundierten Bestandsaufnahme und Analyse, aus der sich geeignete Maßnahmen ableiten lassen. Diese Zeit steht im Notfall nicht zur Verfügung.
"Die Heizung läuft noch" ist keine Strategie
"Läuft noch" heißt: der Ausfall ist nicht heute. Bei einer Heizungsanlage jenseits der 20-Jahres-Grenze steigt das Ausfallrisiko jedes Jahr. Die Frage ist nicht, ob die Heizung den Geist aufgibt, sondern wann das passiert.
Ganzheitliche Beratung
Der Notfall nimmt Ihnen wichtige Entscheidungen vorweg. Kommen Sie ihm mit einem Sanierungsfahrplan zuvor.
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