Neue Heizung in München: Warum Fernwärme das Abhängigkeitsproblem nicht löst
Von Georg Vonhasselt

Für ein Münchener Eigenheim besteht die Auswahl einer neuen Heizung 2026 nicht mehr aus drei ebenbürtigen Technologien. Erdgas scheidet aus strukturellen Gründen aus. Die eigentliche Abwägung findet zwischen Fernwärme und einer Wärmepumpe statt. Die Antwort hängt von Ihrem konkreten Gebäude ab und Ihrer persönlichen Risikopräferenz.
Erdgas: keine Technologieentscheidung mehr
Im Februar 2022 stieg der europäische Gaspreis innerhalb von zwei Wochen auf das Zehnfache. Spitzenwert: 343 Euro pro Megawattstunde. Auslöser war der russische Einmarsch in die Ukraine, der den russischen Pipeline-Export schlagartig unterbrach.
Im März 2026 verdoppelte sich der Gaspreis innerhalb eines Tages. QatarEnergy rief für seine LNG-Anlage in Ras Laffan Force Majeure aus, ausgelöst durch die Eskalation der Spannungen rund um den Iran. Dies ist eine geographisch völlig andere Versorgungsroute.
Zwei Preisschocks innerhalb von vier Jahren auf zwei unabhängigen Lieferwegen.
Das ist die Struktur des globalen Gasmarkts: Der Weg von der Förderstätte bis zu Ihrer Heizungsanlage verläuft durch Pipelines, LNG-Terminals, Raffinerien und Speicher, die über mehrere politisch fragile Weltregionen verteilt sind. Politische Ereignisse an jedem dieser Punkte schlagen mitunter direkt auf die Heizkostenabrechnung durch. Auf diese Abhängigkeiten haben deutsche Verbraucher nur sehr geringen Einfluss. Die Architektur dieses Systems ist fragil.
Der Markt für neue Heizanlagen hat dies bereits eingepreist. 2025 wurden rund 229.000 Gasbrennwertkessel verkauft, 36 Prozent weniger als im Vorjahr und der niedrigste Absatz seit 15 Jahren. Gleichzeitig stieg der Absatz von Wärmepumpen auf rund 299.000 Geräte, ein Plus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Wer sich heute eine neue Gasheizung einbauen lässt, begibt sich damit in eine Abhängigkeit mit hohen Preis- und gegebenenfalls Versorgungsrisiken.
Fernwärme: Komfort mit demselben Strukturproblem
Für viele Münchner Eigenheimbesitzer klingt Fernwärme nach einer unkomplizierten Lösung für die neue Heizung. Keine Anlage im Keller, kein Außengerät, kein Wartungsaufwand. Anschließen und Rechnung zahlen.
Das Komfortargument ist berechtigt. Unabhängig sind Sie damit aber nicht.
Die Stadtwerke München (SWM) erzeugen ihre Fernwärme nach eigenen Angaben "überwiegend im energetisch effizienten Kraft-Wärme-Kopplungsprozess basierend auf Erdgas." Kohle wurde 2024 aus dem Netz genommen. Geothermie wächst: Die Stadtteile Riem und Freiham werden bereits über geothermische Netze versorgt. Dennoch wird das Hauptnetz der Stadt München weiterhin zum Großteil über Kraft-Wärme-Kopplung mit Erdgas (Abwärme aus Stromerzeugung) versorgt.
Der SWM-Transformationsplan sieht eine CO₂-neutrale Fernwärme bis 2040 vor. Bis dahin ist noch einiges zu tun.
Heute an die Fernwärme angeschlossen, kommt die Wärme überwiegend aus Gas, zu den Preisen eines einzigen Anbieters ohne Alternative. Sie bleiben faktisch abhängig vom Preis und der Verfügbarkeit von Gas. Unabhängig davon, was die SWM für ihre Fernwärme berechnen: Sie können weder vergleichen noch zu einem anderen Anbieter wechseln. Wenn die Preise steigen, bleibt Ihnen nur die Möglichkeit, weniger zu heizen.
Das strukturelle Problem ist dasselbe wie beim Gasbrennwertkessel. Nur mit einem einzigen Anbieter anstelle eines globalen Marktes.
Hinweis: Fernwärme ist nicht flächendeckend verfügbar. Details sind öffentlich im Münchner Wärmeplan abrufbar.
Wärmepumpe: Berechenbare Kosten statt Preisrisiko
Eine Wärmepumpe ist in der Regel das einzige Heizsystem, das Ihnen langfristig eine stabile Kostenprognose ermöglicht. Strom ist an keinen einzelnen geopolitischen Risikofaktor gebunden. Der Erzeugungsmix wird über Zeit weiter diversifiziert. In Kombination mit einer Photovoltaikanlage kommt ein Teil der Heizenergie vom eigenen Dach.
Wer mit einer Wärmepumpe heizt und eigenen Solarstrom produziert, kann den wesentlichen Teil seiner Heizkosten bereits beim Einbau der Anlage absehen.
Auch diesen Fakt spiegelt der Markt bereits: Wärmepumpen waren 2025 erstmals das meistverkaufte Heizsystem in Deutschland. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung bei einer 20-jährigen Nutzung und dem aktuellen Förderrahmen hat eine wachsende Zahl von Eigenheimbesitzern überzeugt.
Die KfW fördert den Einbau über das Programm BEG Einzelmaßnahmen Heizung (Programm 458) mit 30 Prozent Grundförderung. Wer eine fossil betriebene Heizung ersetzt, kann derzeit den Klimageschwindigkeitsbonus von 20 Prozent dazurechnen. Realistisch erreichbar für ein typisches Münchner Einfamilienhaus: 50 bis 55 Prozent der förderfähigen Kosten.
Drei Faktoren entscheiden, ob eine Wärmepumpe zu Ihrem Haus passt
Ob eine Wärmepumpe direkt effizient betrieben werden kann, hängt vom aktuellen Zustand der Außenhülle des Gebäudes, vom Wärmeverteilsystem und von den baulichen Voraussetzungen für das Außengerät ab.
Biomasse kann ebenfalls eine preiswerte und nachhaltige Alternative sein, ist aber für die meisten Eigenheime nicht praktikabel: Lagerraum, Brennstofflogistik und Wartungsaufwand sind komplexer als bei einer Wärmepumpe.
Die Frage, ob Erdgas noch eine Option ist, hat sich inzwischen erledigt. Die relevante Abwägung findet zwischen Fernwärme und einer Wärmepumpe statt.
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