Allgemein 5 min12. August 2026Aktualisiert am 21. Oktober 2026

BEG-Novelle 2026: die neuen Förderbedingungen im Überblick

Von Georg Vonhasselt

BEG-Novelle 2026: die neuen Förderbedingungen im Überblick

Seit dem 21. Juli 2026 gelten neue Bedingungen für die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Ein Beispiel zeigt die Folgen: Für ein Mehrfamilienhaus mit 15 Wohnungen sinkt der mögliche Zuschuss für eine Fassadendämmung von 67.500 Euro auf 26.550 Euro.

Große Gebäude erhalten weniger Zuschüsse. Mehr Geld gibt es für Familien, Haushalte mit niedrigem Einkommen und die energetisch schlechtesten Gebäude im Bestand. Die Kürzungen und der neue Einkommensbonus gelten seit Juli 2026, die Boni für besonders ineffiziente Gebäude und für Wärmepumpen aus der EU erst ab 2027.

Einzelmaßnahmen: die größten Kürzungen bei der Gebäudehülle

Maßnahmen an der Gebäudehülle werden weiterhin mit 15 % bezuschusst. Dazu gehören die Dämmung von Wänden und Dach, neue Fenster und außenliegender Sonnenschutz. Geändert hat sich die Obergrenze der Kosten, auf die diese 15 % angewendet werden.

Bis zum 20. Juli 2026 lag diese Grenze bei 30.000 Euro pro Wohnung, unabhängig von der Größe des Gebäudes. Jetzt ist sie gestaffelt: 30.000 Euro für die erste Wohnung, je 15.000 Euro für die zweite bis sechste und je 8.000 Euro ab der siebten Wohnung.

Für ein Haus mit 15 Wohnungen bedeutet das:

  • bisher: 15 × 30.000 Euro = 450.000 Euro förderfähige Kosten, davon 15 % = 67.500 Euro
  • jetzt: 30.000 Euro + (5 × 15.000 Euro) + (9 × 8.000 Euro) = 177.000 Euro, davon 15 % = 26.550 Euro

Auch der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) bringt weniger als bisher. Er erhöht die Obergrenze zwar weiterhin, für die erste Wohnung zum Beispiel auf 60.000 Euro. Der zugehörige Bonus von 5 Prozentpunkten gilt aber nur noch für den oberen Teil: Die ersten 30.000 Euro werden mit 15 % gefördert, die zweiten 30.000 Euro mit 20 %. Bisher galten 20 % für den gesamten Betrag. Der Bonus gilt nur für den Betrag oberhalb der normalen Obergrenze und setzt förderfähige Kosten von mindestens 30.000 Euro voraus. Im Einfamilienhaus liegt diese Grenze bei 30.000 Euro, im Mehrfamilienhaus gilt die Summe für das ganze Gebäude, bei 15 Wohnungen also 177.000 Euro. Wer darunter bleibt, erhält keinen iSFP-Bonus.

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft (GdW) kommt für ein Haus mit zwölf Wohnungen zum selben Ergebnis. Er nennt die Kürzung einen „Frontalangriff auf die sozialverträgliche Wärmewende“. Verbandspräsident Axel Gedaschko sagt: „Was gestern noch wirtschaftlich knapp darstellbar war, ist heute vielfach nicht mehr finanzierbar. So verhindert man Sanierungen, statt sie zu beschleunigen.“

Ich teile diese Einschätzung. Am stärksten wird dort gekürzt, wo eine Sanierung am meisten bewirkt: bei Gebäuden mit vielen Wohnungen und unzureichender Dämmung. Sinnvoller wäre eine andere Bezugsgröße, etwa die Hüllfläche statt der Zahl der Wohnungen. Ein Haus mit 15 kleinen Wohnungen hat nicht automatisch eine größere Fassade als ein Haus mit acht großen Wohnungen. Ab der siebten Wohnung wird das Sanierungsvorhaben jetzt deutlich schlechter gefördert.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Wer im Sommer 2026 mit den alten Bedingungen kalkuliert hat, konnte nicht mehr reagieren. Die neuen Bedingungen wurden erst wenige Tage vor dem Inkrafttreten veröffentlicht. Das schadet der Planungssicherheit und dem Vertrauen in staatliche Förderzusagen.

Komplettsanierung: nur über den Kredit

Wenn Sie Ihr Gebäude auf ein Effizienzhaus-Niveau sanieren, erhalten Sie einen zinsverbilligten Kredit der staatlichen Förderbank KfW und einen Tilgungszuschuss (Programm 261). Eine reine Zuschussvariante gibt es, wie schon bisher, nur für Kommunen.

Die Tilgungszuschüsse betragen jetzt:

  • Effizienzhaus 40 EE: 10 %
  • Effizienzhaus 55 EE: 5 %
  • Effizienzhaus Denkmal EE: 5 %
  • Effizienzhaus 70 EE und 85 EE: kein Tilgungszuschuss mehr

Hinzu kommen weiterhin Boni: 5 Prozentpunkte für die Nachhaltigkeitsklasse, 10 Prozentpunkte für besonders ineffiziente Gebäude (Worst Performing Building) bei Effizienzhaus 40 EE, 55 EE oder 70 EE und bis zu 15 Prozentpunkte für serielles Sanieren.

Das Kürzel EE steht für erneuerbare Energien. Diese Klasse war bisher ein Zusatz und brachte 5 Prozentpunkte zusätzlich. Jetzt ist sie in jeder Stufe enthalten. Der Zuschlag entfällt damit.

Auffällig ist der Unterschied zu den Kommunen. Für dieselbe Stufe Effizienzhaus 40 EE erhält eine Kommune 25 % Zuschuss, private Eigentümerinnen und Eigentümer erhalten 10 % Tilgungszuschuss.

Heizungstausch: mehr für Familien, Geschwindigkeitsbonus endet früher

Die Förderung für den Heizungstausch läuft über die KfW. Hier wird nicht pauschal gekürzt, sondern umverteilt.

Der Einkommensbonus hat jetzt drei Stufen:

  • bis 30.000 Euro zu versteuerndes Haushaltseinkommen: 40 % (bisher 30 %)
  • 30.001 bis 40.000 Euro: 30 % (unverändert)
  • 40.001 bis 50.000 Euro: 10 % (neu)

Die dritte Gruppe war bisher vollständig ausgeschlossen.

Hinzu kommt der Familienzuschlag. Haushalte mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren ziehen pauschal 10.000 Euro von ihrem zu versteuernden Einkommen ab, bevor die Stufe bestimmt wird. Ein Beispiel: Eine Familie mit 38.000 Euro Einkommen gelangt so in die 40-Prozent-Stufe.

Anders verhält es sich beim Klimageschwindigkeits-Bonus. Er steht selbstnutzenden Eigentümerinnen und Eigentümern zur Verfügung, die vorzeitig eine funktionierende Öl-, Kohle-, Gas-Etagen- oder Nachtspeicherheizung austauschen oder eine Gas- oder Biomasseheizung, die mindestens 20 Jahre alt ist. Dieser Bonus sinkt jetzt deutlich schneller:

Zeitraumbisher vorgesehenjetzt
aktuell20 Prozentpunkte bis Ende 202816 Prozentpunkte bis Januar 2027
danach17 → 14 → 11 → 8 Punkte (alle 2 Jahre)12 → 8 → 4 Punkte (alle 6 Monate)
Endeab Januar 2037ab August 2028

Der Bonus endet damit über acht Jahre früher als bisher geplant. Wenn Sie erst 2029 tauschen, erhalten Sie ihn nicht mehr.

Gleichzeitig sinkt die Obergrenze der förderfähigen Kosten für die Heizung. Sie lag bei 30.000 Euro für die erste Wohnung und liegt jetzt bei 28.000 Euro. Ab Februar 2027 sinkt sie alle sechs Monate um weitere 750 Euro, bis sie ab August 2030 bei 22.000 Euro liegt.

Für Eigentümerinnen und Eigentümer einer alten Heizung bedeutet das: Wer wartet, erhält messbar weniger Förderung. Anders als bei der Gebäudehülle halte ich die kürzere Laufzeit hier für richtig. Der Bonus hat den Wärmepumpenmarkt jahrelang subventioniert. Die Förderung ist von den Herstellern eingepreist worden: Wärmepumpen sind in Deutschland im europäischen Vergleich zu teuer. Ich hoffe, dass sich das jetzt schneller ändert.

Neue Boni ab 2027 für ineffiziente Gebäude und Wärmepumpen aus der EU

Ab dem ersten Quartal 2027 gilt bei den Einzelmaßnahmen ein neuer Bonus für Gebäude mit besonders schlechtem energetischem Zustand. Gemeint sind Gebäude, die wegen des Sanierungsstands ihrer Bauteile zu den energetisch schlechtesten in Deutschland gehören. Für die Dämmung von Außenwänden, Dach, Geschossdecken und Bodenflächen gibt es dann 5 Prozentpunkte zusätzlich. Voraussetzung ist ein iSFP.

Der zweite neue Bonus betrifft Wärmepumpen aus europäischer Produktion. Ab dem ersten Quartal 2027 gibt es 15 Prozentpunkte zusätzlich, wenn die Wärmepumpe aus der EU stammt. Gleichzeitig sinkt die Grundförderung für Wärmepumpen von 30 auf 15 Prozent. Für europäische Geräte bleibt es damit insgesamt bei 30 Prozent. Für Geräte von außerhalb der EU halbiert sich die Grundförderung. Die Einzelheiten regelt ein Infoblatt des Fördergebers.

Nichtwohngebäude: Innenbeleuchtung nicht mehr förderfähig

Für Nichtwohngebäude (Effizienzgebäude 40, 55, 70 und Denkmal) gelten entsprechend gesenkte Tilgungszuschüsse. Die Förderung läuft hier über den KfW-Kredit 263.

Eine Streichung betrifft ausschließlich die energieeffiziente Innenbeleuchtung. Sie war bisher eine eigenständige förderfähige Maßnahme. Die neue Richtlinie für Einzelmaßnahmen hat sie ersatzlos aus der Liste der förderfähigen Anlagentechnik gestrichen.

Das halte ich für vertretbar. Eine Umrüstung auf LED rechnet sich in aller Regel auch ohne Zuschuss. Diese Förderung ist deshalb aus meiner Sicht nicht mehr nötig.

Neu ist ein Bonus für serielles Sanieren bei Nichtwohngebäuden. Damit ist die Sanierung mit vorgefertigten Fassaden- und Dachelementen gemeint.

München: Das städtische Programm läuft weiter

Das Förderprogramm Klimaneutrale Gebäude (FKG) der Stadt München läuft unabhängig von der Bundesreform weiter. Die aktuelle Richtlinie gilt seit dem 28. September 2026. Städtische Förderung und Bundesförderung lassen sich weiterhin kombinieren, zusammen bis 60 Prozent der förderfähigen Kosten. Ausnahme: Wird für eine Wohnung der Klimageschwindigkeits- oder Einkommensbonus des Bundes beantragt, entfällt die städtische Förderung für die Heizung.

Was das für Sie bedeutet

Besser gestellt sind Familien und Haushalte mit niedrigem Einkommen, die ihre Heizung tauschen müssen. Ab 2027 kommen Eigentümerinnen und Eigentümer besonders ineffizienter Gebäude hinzu. Alle anderen erhalten weniger. Am deutlichsten verlieren Mehrfamilienhäuser bei der Gebäudehülle.

Ein Sanierungskonzept lohnt sich trotzdem weiterhin. Wir unterstützen Sie bei der Auswahl der passenden Sanierungsmaßnahmen und erstellen die technischen Nachweise für die Förderung. Sprechen Sie uns gern an.

Für Fachleute: Die vollständigen Richtlinien mit Stand 20. Juli 2026 stellt der Bund zum Download bereit, getrennt nach Wohngebäuden, Einzelmaßnahmen und Nichtwohngebäuden.

Welche Förderung für Ihr Gebäude weiterhin möglich ist

Die Kürzungen treffen nicht jedes Gebäude gleich. Wir prüfen, welche Maßnahmen sich für Ihr Gebäude weiterhin rechnen und wie sich Bundesförderung und Münchner Programm kombinieren lassen.

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